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DEMOKRATIE GESTALTEN

Ein Jubiläum ist immer ein Moment, auf das Geleistete zurückzuschauen und es zu würdigen. Es ist aber gleichzeitig Anlass und Auftrag für die Bertelsmann Stiftung, nicht still zu stehen und die zukünftigen Herausforderungen für uns Menschen in unserer Welt in den Fokus zu nehmen.

Ja zu Europa

AUTOR: Tanja Breukelchen
BILDNACHWEIS:  Jan Voth, Enno Kapitza, Thomas Kunsch

„Ich find’s total schade, dass Europa bröckelt. Das Gefühl, sich frei bewegen zu können – von einem Land ins andere –, das ist für mich so selbstverständlich geworden“, sagt die 30-jährige Unternehmerin Stephanie Neumann in einem Generationengespräch im Magazin „change“ der Bertelsmann Stiftung. Offene Grenzen waren für die junge Frau immer eine Selbstverständlichkeit.

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Der Brexit war ein Schock

Und plötzlich ist dann doch alles anders: „Es war für mich beunruhigend, als jetzt einige Grenzen, wie zum Beispiel die von Österreich, geschlossen wurden. Mit Straßensperren, Polizei links und rechts. Ich bin auf einem bayerischen Bauernhof aufgewachsen, bayerischer geht’s kaum. Ich bin stolz auf meine Herkunft, aber trotzdem finde ich den Zusammenhalt in Europa schön. Wir sind Europa! Der Brexit war für mich ein riesiger Schock.“

Die Wahlbeteiligung sinkt

Mit dieser Meinung steht sie nicht alleine da. Und dennoch sinkt in Deutschland die Wahlbeteiligung und ist sozial nicht mehr repräsentativ. Und das wiederum schadet unserer Demokratie. Ein Patentrezept gibt es nicht, doch vielleicht ist es gerade jetzt wichtig, über Alternativen, über ein transparentes Wahlrecht und eine zeitgemäße Wahlorganisation nachzudenken. Genau darum geht es in der neuen Ausgabe des Policy Briefs „EINWURF“. Die Autoren skizzieren acht Vorschläge, die helfen könnten, die Wahlbeteiligung wieder zu steigern. Und außerdem die soziale Ungleichheit zu entschärfen.

Der 8-Punkte-Plan

Der 8-Punkte-Plan orientiert sich an den Kernfragen, wer wählt, wie und nach welchen Regeln wir wählen. Im Mittelpunkt stehen Anreize und Instrumente zur Mobilisierung von Nichtwählern, eine zeitgemäßere Wahlorganisation und ein transparenteres Wahlrecht.

1. Wählen ab 16 einführen – Die Absenkung des aktiven Wahlalters auf 16 Jahre bei allen Wahlen kann langfristig die Wahlbeteiligung erhöhen.

2. Nichtwähler mobilisieren – eine parteineutrale Haustürkampagne kann die Wahlbeteiligung um bis zu zehn Prozentpunkte steigern.

3. Parteienfinanzierung reformieren – Einführung eines Wahlbeteiligungsbonus als Anreiz zur gezielten Nichtwählermobilisierung.

4. Urnenwahl modernisieren – ein bundesweites elektronisches Wählerverzeichnis und Wahlcomputer ermöglichen jedem Bürger die Stimmabgabe in jedem Wahllokal.

5. Chancen des I-Votings nutzen – Perspektivisch wird das Internet zu einem neuen Kanal der Stimmabgabe bei Wahlen entwickelt.

6. Briefwahl erleichtern – Briefwahlunterlagen werden automatisch und ohne Antrag an alle Wahlberechtigten versandt.

7. Wahltermine zusammenlegen – weniger Wahltermine durch vertikale und horizontale Zusammenlegung von Wahlterminen erhöhen die Wahlbeteiligung.

8. Wahlrecht vereinfachen – ein einfacheres Wahlrecht ist auch ein Beitrag für eine höhere und sozial weniger selektive Wahlbeteiligung.

Von Nicht- und Niewählern

Zwar bezeichnen sich 41 Prozent der Nichtwähler inzwischen als „Niewähler“, aber 59 Prozent der Nichtwähler sehen sich selbst noch immer als „Manchmalwähler“ oder sogar als „Immerwähler“. Die große Mehrheit der Nichtwähler schließt also eine Wahlteilnahme nicht per se aus. Sie bleiben ansprechbar und mobilisierbar, auch für die etablierten Parteien. Dazu bedarf es aber einer konzertierten Anstrengung und Strategie aller demokratischen Kräfte. Ein erster Schritt wäre da der 8-Punkte-Plan.

41%

NICHTWÄHLER

41% der Nichtwähler bezeichnen sich als Niewähler

8-Punkte-Plan zur Steigerung der Wahlbeteiligung

Zuerst einmal schlagen die „EINWURF“-Autoren vor, Wählen ab 16 einführen, denn die Absenkung des aktiven Wahlalters auf 16 Jahre bei allen Wahlen kann langfristig die Wahlbeteiligung erhöhen. Außerdem sollen die Nichtwähler mobilisiert werden – eine parteineutrale Haustürkampagne kann die Wahlbeteiligung um bis zu zehn Prozentpunkte steigern. Außerdem soll die Parteienfinanzierung reformiert und ein Wahlbeteiligungsbonus als Anreiz zur gezielten Nichtwählermobilisierung eingeführt werden.

Moderne Wahlmöglichkeiten

Die Urnenwahl soll modernisiert werden, so dass ein bundesweites elektronisches Wählerverzeichnis und Wahlcomputer jedem Bürger die Stimmabgabe in jedem Wahllokal ermöglichen. Und auch die Chancen des I-Votings sollen genutzt werden, denn perspektivisch wird das Internet zu einem neuen Kanal der Stimmabgabe bei Wahlen entwickelt. Briefwahl sollen erleichtert werden, indem Briefwahlunterlagen automatisch und ohne Antrag an alle Wahlberechtigten versandt werden. Letztlich sollen auch Wahltermine zusammengelegt werden, denn weniger Wahltermine durch vertikale und horizontale Zusammenlegung von Wahlterminen erhöhen die Wahlbeteiligung.

Einfach und praktisch

Generell soll das Wahlrecht vereinfacht werden, denn ein einfacheres Wahlrecht, da sind sich die Autoren sicher, ist auch ein Beitrag für eine höhere und sozial weniger selektive Wahlbeteiligung.

Fragt man Stephanie Neumann, so würde sie vermutlich keine Sekunde zögern, ihre Möglichkeit zur politischen Teilhabe zu nutzen. Wegschauen, das sei keine Möglichkeit, gerade wenn man auf Europa, auf populistische Tendenzen und neue Strukturen in der Weltpolitik denkt. Denn sie weiß:

„Wo einzelne Länder sich wieder mehr verschließen, da zeigt sich eigentlich erst, wie toll es ist, wenn alle zusammenhalten.“
Stephanie Neumann, Unternehmerin

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Die Folgen eines Brexit
Was denkt die Wirtschaft?
Gesamtansicht der Infografik
„Zeitgemäß wählen“ – 8-Punkte-Plan zur Steigerung der Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung sinkt und ist sozial nicht mehr repräsentativ. Das schadet unserer Demokratie. Patentrezepte gegen die sinkende Wahlbeteiligung gibt es nicht. Die neue Ausgabe des Policy Briefs „EINWURF“ skizziert allerdings acht Vorschläge, die helfen könnten, die Wahlbeteiligung wieder zu steigern und ihre soziale Ungleichheit zu entschärfen.
www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016/februar/zeitgemaess-waehlen-8-punkte-plan-zur-steigerung-der-wahlbeteiligung/
Europa stärken und verbinden
Wie kann Europa seine Rolle im globalen Wettbewerb und gegenüber seinen nächsten Nachbarn im Osten und Süden verantwortungsvoll wahrnehmen?
www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/europa-staerken-und-verbinden/
Europa leben: Zuversicht statt Zweifel
Wo bleibt die Erkenntnis, dass Europa ein ganz alter Traum von Frieden und Freiheit ist? Brexit, Flüchtlingsfrage, Populismus, Bürokratiewahn, antieuropäische Tendenzen…
http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/in-vielfalt-besser-lernen/
Repair and Prepare: Strengthen the Euro
Europa braucht eine Vision, die es aus der Krise hin zu Stabilität führt und ein Leitfaden ist für konkrete und zielgerichtete Maßnahmen…
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/repair-and-prepare-strengthen-the-euro/

Mitgestaltung als Chance

AUTOR: Tanja Breukelchen
BILDNACHWEIS: Christian Gogolin, Kzenon/Shutterstock Images, BMUB/Jürgen Stumpe

Große Herausforderungen erfordern die Mitarbeit aller. Antworten auf die Flüchtlingskriese für ganz Europa zu finden, darum ging es Ende 2016 beim „Vision Europe Summit“. 140 Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus ganz Europa trafen sich dazu in Lissabon, darunter Vertreter von Bertelsmann Stiftung (Deutschland), Bruegel (Belgien), CASE (Polen) Calouste Gulbenkian Foundation (Portugal), Chatham House (Großbritannien), Compagnia di San Paolo (Italien), Jacques Delors Institute (Frankreich) und The Finnish Innovation Fund Sitra (Finnland).

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Bürgerbeteiligungsverfahren

Auf Mitsprache zielt auch das Bürgerbeteiligungsverfahren zum Klimaschutzplan 2050 ab. Das Pilotprojekt soll zeigen, wie eine Verknüpfung von Bürgerbeteiligung und repräsentativer Demokratie auf Bundesebene funktionieren kann. Die Bertelsmann Stiftung begleitet und evaluiert mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz das Bürgerbeteiligungsverfahren.

Flüchtlingsdialoge

Das Thema Flüchtlinge bewegt nicht nur die Weltpolitik. Auch in den Städten sind die Menschen engagiert. Ankommen bedeutet auch, das Zusammenleben mit Geflüchteten vor Ort neu zu organisieren. Dialoge mit Geflüchteten und Bürgern helfen dabei, Sorgen und Ängsten entgegenzuwirken. Miteinander sprechen, Ideen und Wünsche sammeln, gemeinsam Ziele erarbeiten und Projekte umsetzen – das ist die Zielsetzung der kommunalen Flüchtlingsdialoge in Baden-Württemberg. Ergänzend dazu hat die Bertelsmann Stiftung eine Webseite eingerichtet, auf der Kommunen, Vereine und Ehrenamtliche gute Beispiele, Ideen und praktische Hilfen finden, wie die Integration von Flüchtlingen gelingen kann: www.fluechtlingsdialoge.de

Vision Europe Summit

Die Teilnehmer aus acht Ländern unterzeichneten eine Konferenz-Erklärung, die aufzeigt, wie Flüchtlings- und Migrationspolitik in Europa künftig gestaltet werden kann. UN-Generalsekretär António Guterres betonte in seiner Rede, dass Migration ein Teil der Globalisierung sei. Und mit Blick auf den demographischen Wandel sei Migration auch eine Chance. „Ohne Migration würden die Gesellschaften Europas nicht funktionieren“, erklärte er und betonte: „Multi-ethnische, multi-religiöse und multikulturelle Gesellschaften sind damit unvermeidbar.“

„Ohne Migration würden die Gesellschaften Europas nicht funktionieren.“
UN-Generalsekretär António Guterres

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Flüchtlinge in Deutschland
Die Aufnahme und Integration der zahlreichen Flüchtlinge seit dem vergangenen Jahr ist für Deutschland eine enorme Herausforderung…
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/dossier-fluechtlinge-in-deutschland/
Dialoge führen – Flüchtlinge integrieren. Wie wollen wir zukünftig zusammenleben?
Ankommen in Deutschland bedeutet, ein Zusammenleben vor Ort neu zu organisieren. Flüchtlingsdialoge und Integrationsprojekte mit Flüchtlingen und Bürgern helfen dabei…
http://www.fluechtlingsdialoge.de/de/startseite/

So geht Demokratie

Schnell ein Kommentar zum Brexit. Eine Buchreihe über Demokratie für die Kleinsten. Oder ein Buch über Zusammenhalt. Anregungen können so spannend sein.

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AUTOR: Tanja Breukelchen
ILLUSTRATION: Matthias Berghahn

Im Kindergarten von Jelena und Leon geht es lustig zu. Die Kinder erleben jeden Tag neue Abenteuer. Und fast immer haben sie auch mit dem Thema Demokratie zu tun. Zum Beispiel, wenn sie gemeinsam etwas gegen den Hundehaufen auf der Spielwiese unternehmen. Oder wenn sie den Streit um die Dreiräder schlichten. Die im Verlag Bertelsmann Stiftung erschienenen Buchreihe bietet Anregungen, schon den Kleinsten das Thema Demokratie nahezubringen.

Die Geschichten haben Prof. Dr. Raingard Knauer und Rüdiger Hansen vom Institut für Partizipation und Bildung in Kiel im Rahmen des Projektes „Jung bewegt“ der Bertelsmann Stiftung entwickelt. Wir sprachen mit ihnen.

Wie kam es zur Idee, Demokratie über Bilderbücher zu vermitteln?

RÜDIGER HANSEN: Eigentlich ist es schon eine ganz alte Idee. Uns haben immer wieder Kollegen gesagt, wir sollten doch Beteiligung und Engagementprozesse den Kindern direkt nahebringen. Da gab es schon immer mal die Idee, mit Bilderbüchern zu arbeiten

PROF. DR. RAINGARD KNAUER: Oft werden diese Themen unterschwellig behandelt, als Bücher, die das auch im Titel tragen und direkt benennen, sind sie neu. Auch die Koppelung von Kinderbüchern und einem Fachbuch ist neu

Wie genau sieht das Konzept aus?

HANSEN: Kinder und Fachkräfte stoßen immer wieder auf Probleme, die es irgendwie zu lösen gibt. Daraus entwickeln sich dann Prozesse, in denen die Fachkräfte gemeinsam mit den Kindern nach Lösungen suchen. In den Büchern wird genau das beschrieben.

KNAUER: Die Realität sieht oft anders aus: In den Kitas wird häufig für die Kinder entschieden. Damit nimmt man ihnen aber die Chance, die Probleme selbst zu lösen. In den Büchern geht es immer wieder darum: Hier ist ein Problem! Was können wir tun, um es zu lösen? Das war für viele ein völlig neuer Ansatz.

Hat das die Fachkräfte und Eltern überrascht?

HANSEN: Ja. Es ist ein Paradigmenwechsel in der Pädagogik. Wir haben bei unseren Besuchen in den Kitas zum Beispiel gefragt, ob Krippenkinder nicht das Recht haben sollten, selbst zu entscheiden, ob sie gewickelt werden wollen oder nicht. Das war für Eltern und Fachkräfte zuerst einmal eine Provokation. Aber wir meinen das durchaus ernst, denn Kinder sind schon Menschen, wenn sie auf die Welt kommen – und damit verbunden ist eben auch, dass sie Selbst- und Mitbestimmungsrechte haben, also über ihr eigenes Leben mitbestimmen dürfen. Wenn wir als Pflegefall im Krankenhaus lägen und würden ungefragt gewickelt, würden wir uns das verbitten. Mit welchem Recht machen wir das dann mit unseren Kindern? Wenn man so einsteigt, geraten Selbstverständlichkeiten ins Wanken. Und das ist das Spannende.

KNAUER: Pädagogische Beziehungen sind immer Machtbeziehungen. Das ist den Fachkräften aber häufig gar nicht bewusst. Wir möchten dieses Bewusstsein schaffen – denn nur so kann man Kinder vor Machtmissbrauch schützen und ihnen die Möglichkeit geben, demokratische Erfahrungen zu machen.

Für Kinder welchen Alters sind die Bücher gedacht?

HANSEN: Für Vier- bis Sechsjährige. Die Geschichten sind relativ komplex. Aber auch für jüngere Kinder im Krippenalter ist es an einigen Stellen verständlich.

Und wann ist der erste Moment, in dem Kinder mit Demokratie konfrontiert werden?

KNAUER: Kinder geraten von Anfang an in eine Gemeinschaft, in der sie bestimmte kulturelle Selbstverständlichkeiten erleben: Werde ich geachtet? Wie wird auf meine Äußerungen eingegangen? – Das alles beginnt in der Familie. Spätestens wenn sie dann in die Öffentlichkeit kommen, zum Beispiel in die Kita, beginnt die Demokratieerziehung, weil sie erleben, wie Menschen, die nicht miteinander verwandt sind, miteinander umgehen.

Wie kamen Sie auf die Geschichten?

KNAUER: Die sind uns genau so in Einrichtungen erzählt worden, also im Kern alle real genau so geschehen.

HANSEN: Wir haben im Wechsel zwischen theoretischer Reflexion und praktischer Umsetzung gearbeitet und auf das reagiert, was sich in der Praxis ereignet hat.

Und die Großen? Die finden in Büchern wie dem Sammelband „Der Kitt der Gesellschaft – Perspektiven auf den sozialen Zusammenhalt in Deutschland“ viele Denkanstöße und gute Beispiele über die unterschiedlichen Facetten von gesellschaftlichem Zusammenhalt in Deutschland.

WEITERE INFORMATIONEN

Leon und Jelena – Jelena im Kinderparlament
Leseprobe
Der Kitt der Gesellschaft
Perspektiven auf den sozialen Zusammenhalt in Deutschland
Leseprobe
Aart De Geus zum Ergebnis des Brexit-Referendums
Die Briten haben sich entschieden, die Europäische Union zu verlassen. Unser Vorstandsvorsitzender Aart De Geus kommentiert das Ergebnis.
Video anschauen

Bilder als Brückenbauer

AUTOR: Tanja Breukelchen
BILDNACHWEIS: Pixabay

Eine Brücke sollen die Bilder bauen. Sensibel machen. Und zum Nachdenken anregen. „Erst der Blick auf den Einzelnen und seine Fluchtgeschichte vermittelt uns eine Ahnung von seinem Schicksal, seiner Verzweiflung und seiner Hoffnung“, beschreibt es Aart De Geus, Vorsitzender des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung.

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„Durch direktes Erleben und eindrückliche Bilder wird in uns Menschen das Mitgefühl geweckt, das am Anfang echter menschlicher Zuwendung und Hilfsbereitschaft steht.“
Aart De Geus, Vorsitzender des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung

Die Hilfsbereitschaft war zu Beginn der Flüchtlingskrise groß. Gar überwältigend. Und vielfach ist sie es noch. Was hinzu kommt gibt allerdings Anlass zur Beunruhigung – „Ängste vor Überfremdung und vor Terror in Teilen der Bevölkerung, Politiker und Parteien, die aus diesen Ängsten Kapital schlagen, offener Rassismus gegenüber Menschen mit ausländischen Wurzeln und Demonstrationen und Gewalt gegen Flüchtlinge“, fasst es Aart De Geus zusammen.

Ein starkes Land

Da, wo Unwissen ist, blüht die Angst. Wo keine Berührung ist, wächst die Distanz. Dabei sei es gerade Deutschland, betont De Geus, das mit dem Thema Flucht großgeworden und ähnliche Krisen bereits gemeistert hat: „Unser Land ist stark und hat seit Generationen vielfache eigene Erfahrungen mit Flucht und Migration gesammelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen Millionen Menschen aus den deutschen Ostgebieten. Verfolgte fanden bei uns Zuflucht, die vor der kommunistischen Unterdrückung und aus der DDR in den Westen flüchteten oder vor der Verfolgung im Iran, in der Türkei, den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien, im Irak, in Afghanistan oder aktuell in Syrien. Migranten kamen mit ihren Familien als Gastarbeiter. Die Einwanderung dieser Menschen hat uns nicht in Not gebracht, im Gegenteil. Unser materieller Wohlstand beruht zu einem beträchtlichen Teil auch auf dieser Bewegung.“

Flucht aus Deutschland
14

Mio.

1944 – 1950
Deutsche verlassen ihre Heimat
Flucht nach Deutschland
1

Mio.

2009 – 2015
Flüchtlinge suchen in Deutschland Schutz (Asylanträge)

Bildung als Kernthema

Der Blick ins Buch lässt nicht nur das Thema Flucht vor unseren Augen sehr lebendig werden. Es geht auch um Fluchtursachen und: um Integration. Bildung ist ein großes Thema. Das Ankommen vor Ort. Die Wohnsituation, die ersten Kontakte zu Nachbarn, Freundschaften…

All das fasst „Challenging Chances – Flucht im Bild“ zusammen. Macht es spürbar. Und macht bewusst: Das alles passiert hier, direkt vor unserer Haustür. Und wir haben die Chance, aufeinander zuzugehen und etwas Neues entstehen zu lassen. – „Unser aller Einsatz und Engagement wird erforderlich sein, um diejenigen, die über längere Zeit Schutz bei uns finden, erfolgreich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Die rechtlichen Voraussetzungen hierfür haben wir geschaffen, zuletzt mit dem jüngst in Kraft getretenen Integrationsgesetz“, betont Kanzleramtschef Peter Altmaier, Bundesminister für besondere Aufgaben und Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung im Vorwort des Buches.

Sie können sich den Fotoband „Challenging Chances – Flucht im Bild kostenlos herunterladen.
PDF-Download (nur auf Deutsch verfügbar)

„Politik operiert notgedrungen mit Daten, Fakten und Zahlen. Es gilt jedoch, sich immer wieder darüber bewusst zu werden, dass dahinter individuelle Schicksale stehen. Bilder können dabei helfen. Sie geben uns einen Eindruck von Situationen und Momenten, die sich die meisten von uns niemals vorstellen könnten. Auf beeindruckende Weise zeigen die Bilder dieses Bandes Menschen auf den Stationen ihrer Flucht – und wie sie beginnen, bei uns wieder einen Alltag zu leben. Wie sie versuchen, sich zurechtzufinden, unsere Sprache zu lernen und erste Kontakte zu knüpfen, auf der Straße, in der Familie, mit Freunden, in Sportvereinen, in Schulen und bei der Arbeit.“

Bilder einer historischen Episode

Ein Land im Umbruch. Eine Zeit des Wandels. Aber keine Zeit für Abgrenzung und Resignation. Aart De Geus resümiert es mit diesen Worten: „Wie das Flüchtlingsthema sich weiterentwickelt, wissen wir nicht. Aber schon jetzt scheint diese Episode von historischer Bedeutung. Dieser Band hält sie in beeindruckenden Bildern fest.“

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Video von der Vernissage in Köln
Website
Statement – Wir dürfen es nicht den Populisten überlassen
Video ansehen
Flüchtlinge in Deutschland
Die Aufnahme und Integration der zahlreichen Flüchtlinge seit dem vergangenen Jahr ist für Deutschland eine enorme Herausforderung. Das Land steht unter großem Druck, auf vielen Ebenen kurzfristige Lösungen zu schaffen und dabei gleichzeitig eine langfristige Vision für eine Integration der Menschen zu schaffen.
http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/dossier-fluechtlinge-in-deutschland/

Mitgestaltung für alle

Bücher sind ein Fenster zur Welt. Sie sind Genuss, Kultur, Bildung. Die jedoch müssen in einer Demokratie jedermann zugänglich sein. Deshalb setzte sich die Bertelsmann Stiftung viele Jahre für den Aufbau von Bibliotheken ein. Ein Grundpfeiler der Stiftungsarbeit – genau wie die Bürgerforen.

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BILDNACHWEIS: Archiv Bertelsmann Stiftung

Stadtbibliothek Gütersloh GmbH

Ein Mekka für Bücher-Fans: Bereits 1984 eröffnete die Stadt Gütersloh gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung die neue Stadtbibliothek Gütersloh. Ein Modellprojekt, das auch in den folgenden Jahren immer wieder innovativ sein sollte und früher als andere Bibliotheken auf Trends reagieren sollte. Mit dem Modellprojekt Stadtbibliothek Gütersloh ist erstmalig die Zusammenarbeit einer Stadt und einer privaten Stiftung in Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung bei Planung, Bau und Betrieb einer Öffentlichen Bibliothek praktiziert worden.

Für die Stadtbibliothek Gütersloh wurde ein Konzept einer Integration aller Bestände entwickelt. Es baut auf der Organisationsform der Dreigeteilten Bibliothek auf:

• Das Magazin, das für die Benutzer in der Regel nicht zugänglich ist und nur über Kataloge erschlossen wird.
• Im Zentrum der Bibliothek befinden sich neben dem klassischen Buchangebot auch audiovisuelle Medien, Zeitschriften oder Nachschlagewerke.
• Am Eingang der Bibliothek – darin unterscheidet sich die Dreigeteilte Bibliothek vor allem von den althergebrachten Bibliotheken – liegen die Bücher nach Interesse der Nutzer.

Lesecafé, eine Elternbibliothek gleich in Sichtweise der als Erlebnisbereich konzipierten Kinder- und Jugendbibliothek, ein „Marktplatz“ der Bücher zum Stöbern im Erdgeschoss, ein ruhiger Lesesaal, regelmäßige Veranstaltungen und später dann noch eine Erweiterung der Kinder- und Jugendbibliothek und 1996, als erste Öffentliche Bibliothek in Deutschland, ein Internet-Café, das allen Bürgern das Kennenlernen und den Zugang zur weltweiten Datenautobahn ermöglichte.

Bibliotheksindex BIX

Alle Teile der Gesellschaft erreichen und das mit möglichst hoher Qualität – dafür steht auch der Bibliotheksindex BIX, ein Kooperationsprojekt mit dem Deutschem Bibliotheksverband (DBV), durch das Bibliotheken ihre Leistung messen und vergleichen können. Der BIX betrachtet vier Zieldimensionen, die für Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken identisch sind: Angebote, Nutzung, Effizienz und Entwicklungspotential.

Bürgerforum

Demokratie, zwar ohne Bücher, jedoch mit dem Ziel, dass möglichst viele Menschen Zugang zu Informationen und Mitbestimmung haben – das war auch Ziel des Projektes „Bürgerforum“, das die Bertelsmann Stiftung 2008 (Soziale Marktwirtschaft), 2009 (Europa) und 2011 (Gesellschaftlicher Zusammenhalt) durchführte. Alleine 2011 nahmen 10.000 Menschen unterschiedlicher Erfahrungen, Berufe und Einkommen in 25 Städten und Kreisen teil.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Broschüre BürgerForum
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